Grüner Knollenblätterpilz – Amanita phalloides

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist tödlich giftig und für 90 Prozent der tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen verantwortlich. In England heißt der Pilz somit völlig zu Recht „Death Angel“. Im Mittelalter war er ein nicht selten eingesetztes letztes Mittel, um sich dauerhaft von ungeliebten Herrschaften zu verabschieden.

Vorkommen

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist ein Mykorrhizapilz, der vorallem in symbiontischen Beziehungen zu Buchengewächsen steht. Im Rhein-Main-Gebiet finden wir die Fruchtkörper meist unter Eichen und Rotbuchen in Laub- und Mischwäldern. Gerne wächst er an Waldrändern, an Lichtungen, in Aufforstungen und auch in Parkanlagen. Die Fruchtkörper werden vorwiegend in den Monaten Juli bis November ausgebildet.

Makroskopische Merkmale

Der Hut des Grünen Knollenblätterpilzes ist jung halbkugelig und erreicht beim Ausbreiten eine Breite von 4 bis 15 cm. Die Huthaut ist meist kahl und eingewachsen radialfaserig. Die Farbe der Huthaut ist recht variabel. Das Farbspektrum erstreckt sich von gelbgrün, olivgrün bis hin zu olivbraun; Die Farbsättigung von blass (weißlich) bis zu intensiv. Nur selten verbleiben flächige, weißliche Hüllreste des Velum universale auf dem Hut. Der Stiel ist weißlich bis leicht grünlich und oft genattert. Der häutige Ring ist oberseits gerieft und die knollige Stielbasis ist mit einer häutig-lappigen hochstehenden Volva bescheidet.

Das Fruchtfleisch, die Lamellen und das Sporenpulver sind weiß. Der Geruch ist aufdringlich süßlich nach Honig. Der Geschmack ist angenehm mild und nussig. Aufgrund der extremen Giftigkeit darf jedoch keinesfalls eine Geschmacksprobe genommen werden.

Toxikologie

Der Grüne Knollenblätterpilz enthält Amatoxine und Phallotoxine und löst das Phalloides-Syndrom aus. Die tödliche Dosis wird für einen Erwachsenen auf 0,1 mg a-Amanitin geschätzt. Je nach Toxingehalt ist die tödliche Dosis bei einem Verzehr von 5 – 50 g Pilzen erreicht. Ein mittelgroßer Fruchtkörper ist also ausreichend, um einen Menschen zu töten. Rund 30 Prozent der Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen enden tödlich.

Der Vergiftungsverlauf ist durch vier Phasen gekennzeichnet:

Die Latenzphase ist mit 6 bis 12 Stunden verhältnismäßig lang. Ihr folgt die Gastrointestinale Phase mit simultanen und fulminanten Erbrechen und Durchfällen. Nach etwa 24 Stunden klingen die Beschwerden in der Übergangsphase ab. Die Patienten haben den Eindruck, das Schlimmste überstanden zu haben. Doch dies ist ein gefährlicher Trugschluss, denn in dieser Phase manifestiert sich meistens bereits der Leberschaden. Die Hepatische Phase wird eingeleitet von einer Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten. Eine Lebertransplantation ist nun die letzte Chance. Schwere Vergiftungen sind von zahlreichen Komplikationen begleitet, die innerhalb von 4 bis 16 Tagen mit dem Tod durch ein Multiorganversagen enden.

Verwechslungsgefahr

Die meisten Vergiftungen resultieren aus einer Verwechslung mit Speisepilzen wie zum Beispiel grünliche Täublinge (Russula spec.) oder Champignons (Agaricus spec.).

Allerdings kommt es auch heute noch zu Tötungsdelikten oder zu einem Verzehr mit suizidaler Absicht.

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