Artenportrait
Schopf-Tintling (Coprinus comatus)
Klasse: Agaricomycetes → Ordnung: Agaricales → Familie: Agaricaceae
Synonyme: Agaricus comatus









Der Schopf-Tintling (Coprinus comatus) ist unser Pilz des Jahres 2024 und wird auch als Spargelpilz, Tintenpilz oder Porzellanpilz bezeichnet. Sein Artepitheton comatus bedeutet „schopfig“ oder „behaart“ und bezieht sich auf die auffälligen, aufstehenden Hutschuppen.
Vorkommen
Der Saprobiont ist ein Zersetzer nährstoffreicher Böden. Er wächst meist gesellig auf Waldlichtungen, an Wegrändern, auf Wiesen, in Parkanlagen, Friedhöfen, und Gärten. Auch auf Äckern, Dünen oder mäßig dungbeeinflussten Flächen erscheint er regelmäßig, wächst jedoch nicht direkt auf Mist. Die Fruchtkörper erscheinen überwiegend von März bis Dezember, oft nach ergiebigen Niederschlägen. Die Art ist nahezu weltweit verbreitet und kommt in Gebirgen bis in subalpine Höhenstufen vor.
Makroskopische Merkmale
Junge Fruchtkörper besitzen einen zylindrischen bis eiförmigen, geschlossenen Hut. Dieser ist weiß und dicht mit langen, lockeren, schopfartigen Schuppen bedeckt, während die glatte Hutspitze creme- bis hellockerfarben erscheint. Mit zunehmendem Alter öffnet sich der Hut glockenförmig. Die zunächst weißen Lamellen verfärben sich über rosa bis weinrötlich und lösen sich schließlich von der Hutkante aus zu einer schwarzen, tintenartigen Flüssigkeit auf (Autolyse). Der Hutrand rollt sich dabei nach außen auf.
Der Stiel wird bis 35 cm, gelegentlich sogar 45 cm hoch. Er ist weiß, hohl und besitzt eine verdickte bis wurzelnde Basis. Charakteristisch ist der frei verschiebbare Ring. Das Fleisch ist weiß, dünn und besitzt einen schwachen, angenehmen Geruch.
Speisewert/Toxikologie
Der Schopf-Tintling ist ein ausgezeichneter Speisepilz, allerdings nur im jungen Zustand. Gesammelt werden sollten ausschließlich Fruchtkörper mit noch geschlossenen Hüten und weißen Lamellen. Bereits kurz nach der Ernte setzt die Selbstauflösung ein, weshalb die Pilze möglichst schnell verarbeitet werden sollten.
Artabgrenzung
Der Schopf-Tintling ist aufgrund seines hohen, walzenförmigen Wuchses, der auffälligen weißen Hutschuppen und des verschiebbaren Rings ein gut kenntlicher und kaum zu verwechselnder Pilz.
Speisepilzsammler sollten ihn dennoch vom coprinhaltigen Grauen Faltentintling (Coprinopsis atramentaria) abgrenzen. Dieser besitzt einen glatten bis fein schuppigen, graubraunen Hut ohne die charakteristischen Schopfschuppen.
Ebenfalls abzugrenzen ist der ungenießbare Specht-Tintling (Coprinopsis picacea), der durch seinen dunkelbraunen bis schwarzen Hut mit großen weißen Velumflecken an das Gefieder eines Spechts oder einer Elster erinnert.
